Sozialplanungskonferenz: Weichen für den Kreis Pinneberg gestellt


Die Sozialplanung im Kreis Pinneberg sorgt für Aufsehen. Aus ganz Deutschland kommen Anfragen aus Politik und Verwaltung, die sich für das System und die digitale Technik dahinter interessieren. Startpunkt dieser Entwicklung war die erste Sozialplanungskonferenz des Kreises Pinneberg im Mai 2016.

Jetzt kamen erneut die entscheidenden Akteure zur zweiten Sozialplanungskonferenz im Kreis Pinneberg zusammen. Rund 100 Personen aus den Bereichen soziale Dienstleistungen, Kommunen, Politik, Wissenschaft, Kreisverwaltung sowie aus den Arbeits- und Fokusgruppen nutzten die Konferenz in den Räumen der Beruflichen Schule Elmshorn, um zu netzwerken und die Weichen für die künftige Sozialpolitik im Kreis zu stellen.

Als Gastredner begrüßte Landrätin Elfi Heesch Minister Dirk Schrödter, Chef der Staatskanzlei des Landes Schleswig-Holstein, und Steffen Bockhahn, den amtierenden Oberbürgermeister der Stadt Rostock sowie Senator für Jugend, Soziales, Gesundheit und Schule in Rostock.

„Gerade in der Verwaltung sind Unmengen von Daten vorhanden“, sagte Digitalisierungsminister Dirk Schrödter. „Gut aufbereitet und verknüpft, helfen sie beim weitsichtigen politischen Handeln, weil wir unsere Entscheidungen verbessern können. Sie helfen aber auch dabei, Ergebnisse wissenschaftlicher Forschung zu verbessern und Wertschöpfung und Arbeitsplätze zu schaffen. Unser aller Ziel muss es sein, die vorhandenen Daten besser nutzbar und auch für Dritte verfügbar zu machen. Wichtig ist deshalb der open-data-Gedanke. Zudem schaffen wir so Transparenz, da es unsere Entscheidungsgrundlagen sichtbar macht.“ Der Kreis Pinneberg nehme mit seiner vorausschauenden Sozialplanung dank sinnvoll aufbereiteter Daten eine Vorbildposition ein. „Damit schaffen Sie fundierte und nachvollziehbare Entscheidungen zum Wohle Ihrer Bürgerinnen und Bürger“, so Schrödter. Das schaffe Vertrauen zur Verwaltung und mache Politik insgesamt verständlicher.

Die Sozialplanungskonferenzen sollen regulär alle fünf Jahre stattfinden. Die Corona-Pandemie sorgte jedoch für einen Sechs-Jahres-Abstand seit der Premiere. Das eigentliche Steuerungsinstrument der Sozialplanung ist der jährlich erscheinende Fokusbericht. Er beschreibt die wesentlichen sozialen Entwicklungen und Herausforderungen im Kreis Pinneberg und gibt Handlungsempfehlungen an die Politik. Dabei nutzt er die beiden Säulen der Sozialplanung im Kreis Pinneberg: Die erste sind Zahlen, Daten und Fakten, die mit Hilfe digitaler Technik und künstlicher Intelligenz ausgewertet werden. Die zweite Säule ist die Beteiligung, also die Einbeziehung von Fachexpert*innen aus der Region in den aktuell elf Fokusgruppen, die mehrmals im Jahr zusammentreffen.

„Soziale Leistungen müssen da ankommen, wo sie gebraucht werden“, sagt Landrätin Heesch. „Im Kreis Pinneberg setzen wir digitale Technik und immer mehr auch künstliche Intelligenz ein, um aus Daten Wissen zu machen. Um aus diesem Wissen Erkenntnisse zu gewinnen, braucht es Menschen, die dieses Wissen mit ihrem Erfahrungsschatz aus der Praxis abgleichen und daraus die richtigen Schlüsse ziehen. Wir sind den vielen Ehrenamtlichen in den Fokusgruppen sehr dankbar für ihren Einsatz. Fortschritt durch Digitalisierung gelingt nur in der Verbindung von Mensch und Technik.“

Der jüngste Fokusbericht ist vor Kurzem erschienen. Zu den wichtigsten Aussagen des 64 Seiten starken Berichts gehört, dass die andauernde Corona-Pandemie, der Krieg in der Ukraine sowie die gesundheitliche Versorgung angesichts des demographischen Wandels die drei zentralen sozialen Herausforderungen im Kreis Pinneberg für die kommenden Jahre sein werden.

Ziel der Sozialplanungskonferenz war es nun, Vorschläge zur Neuausrichtung oder auch Anpassung der vom Kreistag beschlossenen sozialpolitischen Handlungsfelder zu entwickeln sowie gemeinsam Lösungsansätze für aktuelle Herausforderungen zu entwickeln.


20220822 Sozialplanungskonferenz 1

Digitalminister Dirk Schrödter bei seinem Impulsvortrag auf der Sozialplanungskonferenz des Kreises Pinneberg

20220822 Sozialplanungskonferenz 2

(v.l.n.r.:) Heiko Willmann, Fachbereichsleiter Soziales Kreis Pinneberg; Landrätin Elfi Heesch; Digitalminister Dirk Schrödter; Robert Schwerin, Leiter Stabsstelle Sozialplanung Kreis Pinneberg


Seit der ersten Konferenz 2016 hat sich die Lage im Kreis Pinneberg verändert. Das verdeutlichen Zahlen und Daten.

Hier ein paar Beispiele:

Etwa 11.000 Personen mehr leben heute hier. Bis 2030 wird ein Bevölkerungswachstum von heute 318.300 Menschen auf 325.000 prognostiziert. Dieses Wachstum gründet vor allem auf dem Zuzug junger Familien aus Hamburg. Die „natürliche“ Bevölkerungsentwicklung ist dagegen seit Jahren negativ. Das heißt: Es gibt mehr Sterbefälle als Geburten. In allen Altersgruppen hat es seit 2016 Zuwächse gegeben seit 2016: etwa 3.300 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahre, 4.700 Menschen zwischen 18 und 65 Jahren sowie 3.000 mehr Senioren ab 65 Jahren.

Auch wenn die Zuzüge als Beleg für eine hohe Attraktivität des Kreises gelten können und die Arbeitslosigkeit seit Jahren im Kreis Pinneberg knapp unter dem Durchschnitt in Land und Bund liegt, bringt der demographische Wandel dennoch Herausforderungen mit sich. So steigt das Alter der noch arbeitenden Bevölkerung: Das Durchschnittsalter beträgt heute 45,1 Jahre, während es 2016 bei 44,7 Jahren und zu Anfang des Jahrtausends bei 41,5 Jahren lag.

Ein Problem ist der zunehmende Fachkräftemangel in den nächsten Jahren, bei einem gleichzeitigen Bedarf am Ausbau von Kindertagesstätten, Schulen aber auch den Angeboten im Bereich Pflege. Bezahlbarer Wohnraum ist ein weiteres Thema. Und auch der Ausbau von Mobilitätsinfrastruktur zählt zu den aktuellen Herausforderungen. So gibt es mehr und mehr Ein- und Ausberufspendler: Heute zählen zu den Auspendlern in andere Kreise und Städte 72.500 Menschen (2016: 66.200). Die Zahl der Einpendler ins Kreisgebiet ist zwar niedriger, aber auch gestiegen: von 33.600 in 2016 auf 37.200 heute.

Festzustellen ist eine zunehmende Verschlechterung der Sprachfähigkeiten in Deutsch bei den Erstklässlern von 12,9 Prozent in 2016 auf jetzt 18,9 Prozent. Anlass zur Sorge gibt, dass im Zuge der Corona-Pandemie die Zahl der Mitglieder in Sportvereinen von 80.400 Menschen in 2016 auf nunmehr 75.950 Mitglieder Anfang 2022 gesunken ist.

Alle Elemente der Sozialplanung – die Konferenz, die Fokusberichte sowie die Fokusgruppen – haben sich gemeinsam als ein geeignetes System erwiesen, um auf soziale Problemlagen hinzuweisen und diesen gemeinsam zu begegnen. Seit 2017 wurden 38 Handlungsempfehlungen für die politischen Gremien des Kreises entwickelt, von denen bereits 13 beschlossen und zum Teil umgesetzt sind. Weitere 11 Empfehlungen werden noch beraten.

Der Bericht „Sozialplanung. Fokus 2022“ steht im Internet auf der Website des Kreises Pinneberg zur Verfügung. Fokusbericht und aktuelle Daten stehen außerdem in der App Fokus PI für iPads und Android-Tablets bereit.

 
Medieninformation vom 22.08.2022


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