Kreis Pinneberg gedenkt der Opfer des Nationalsozialismus


Kreis Pinneberg gedenkt der Opfer des Nationalsozialismus

Anlässlich des 65. Jahrestages der Befreiung von Auschwitz hat der Pinneberger Kreistag - wie jedes Jahr - am 27. Januar in die Drostei in Pinneberg eingeladen, wo die zentrale kreisweite Gedenkfeier zu dem vom ehemaligen Bundespräsidenten Roman Herzog 1996 eingeführten „Tag des Gedenkens der Opfer des Nationalsozialismus“ stattfand.

PM 2012-01-31Kreispräsident Burkhard E. Tiemann konnte Vertreter aller Fraktionen, Bürgervorsteherinnen und Bürgervorsteher, Bürgermeisterinnen und Bürgermeister, Pröpste, hochrangige Vertreter von Polizei und Bundeswehr sowie zahlreicher Verbände begrüßen. Gemeinsam gedachten sie dieses dunkelsten Kapitels deutscher Geschichte. Allein in Auschwitz fielen geschätzte 1,5 Millionen Menschen dem nationalsozialistischen Terror zum Opfer.

In einer bewegenden Rede schilderte die Elmshorner Bürgermeisterin Dr. Brigitte Fronzek ihre Empfindungen und die Verarbeitung der schrecklichen Geschehnisse aus ganz persönlicher Sicht. Propst Dr. Horst Gorski vom Kirchenkreis Hamburg-West/Südholstein stellte seinen Redebeitrag unter das Motto „Soll ich meines Bruders Hüter sein?“ Er beleuchtete die ganz persönliche Verantwortung jedes Einzelnen und sparte auch die Rolle der Kirche nicht aus seinen Betrachtungen aus.

Der Kreispräsident erinnerte daran, dass unter dem menschenverachtenden Nazi-Regime Millionen Juden ermordet worden seien, zehntausende sowjetische Kriegsgefangene, Frauen und Männer des Widerstands aus allen Richtungen bürgerlich humanistischer Kreise wie auch der Arbeiterbewegung, Sinti und Roma, Opfer der Militärgerichtsbarkeit, Opfer der Euthanasie, Kriegsgefangene, politische Häftlinge, Zwangsarbeiter, Homosexuelle, Behinderte und andere stigmatisierte Gruppen, die in die ideologischen Vorstellungen der Nationalsozialisten nicht hineinpassten und denen deshalb das Existenzrecht abgesprochen worden sei.

Auschwitz sei zum Symbol für die industrielle Vernichtung menschlichen Lebens geworden und für eine beispiellose universalhistorische Zäsur. Als schrecklichster Höhepunkt einer mörderischen Ideologie, die jeden Respekt vor dem menschlichen Leben und seiner Würde verloren hätte und an die niedersten Instinkte des Menschen appellierte, stehe Auschwitz stellvertretend für alle Vernichtungs- und Konzentrationslager, für Treblinka, für Maidanek und alle anderen Orte in der Topographie des nationalsozialistischen Terrors.

PM 2012-01-31Der Kreispräsident zeigte sich zutiefst erschüttert und beschämt, dass nach den ungeheuren Verbrechen des nationalsozialistischen Regimes im gerade zu Ende gegangenen Jahr rechtsextremistische Ideologie in unserem Land eine blutige Spur von Mordtaten an Menschen anderer Kulturkreise hinterlassen habe. Deshalb müssten die Deutschen bereit sein, Lehren aus ihrer Geschichte zu ziehen, den Blick für kommende Gefahren zu schärfen.

Tiemann nannte es einen bescheidenen Verdienst des Pinneberger Kreistages, mit dieser Feierstunde eine Form des Gedenkens in einem würdevollen Rahmen gefunden zu haben, so, wie Roman Herzog sie sich gewünscht habe. Sie solle Trauer über Leid und Verlust ausdrücken, dem Gedenken der Opfer, die durch das nationalsozialistische Regime entrechtet, verfolgt, gequält oder ermordet wurden, gewidmet sein und jeder Gefahr der Wiederholung entgegenwirken. Und es gelte allen, die, auch wenn sie die infernalische Todesmaschinerie überlebt hätten, jedoch an ihr zerbrochen seien an dem zugefügten Schmerz, an dem Verlust des Glaubens an die Menschlichkeit, an der Unbeschreiblichkeit dessen, was geschehen sei. Die Erinnerung dürfe nicht enden; sie müsse auch künftige Generationen zur Wachsamkeit mahnen.

Der Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus stehe für die Selbstverpflichtung des modernen und demokratischen Deutschlands, das sich seiner Vergangenheit und seiner Verantwortung gegenüber den Opfern stelle - in dem Bewusstsein, dass Geschichte nicht vergehe oder zu bewältigen sei. Die Menschheitsverbrechen der Nazis seien allgegenwärtig und für alle Zeiten ein Mahnmal, wohin die menschliche Vermessenheit führen könne.

Fotos: Ute Springer