Kreispräsident spricht zum Tag der Heimat


Kreispräsident spricht zum Tag der Heimat

Der Kreis Pinneberg ist Pate der Kreisgemeinschaft Fischhausen. Alljährlich treffen sich die Mitglieder dieser Vereinigung von überwiegend Vertriebenen aus Ostpreußen in Pinneberg zum Tag der Heimat. Schirmherr der Veranstaltung 2010 war Kreispräsident Burkhard E. Tiemann. Schon zwei Tage vorher kamen die "Samländer" zu einem geselligen Beisammensein mit dem Kreispräsidenten und Landrat Oliver Stolz zusammen, nachdem sie im Drosteipark einen Kranz niedergelegt hatten.

Tag der Heimat 2010Am Tag der Heimat am 19. September hielt Tiemann die Festrede, in der er deutlich machte, dass die Vertriebenen dem Gedanken an Rache und Vergeltung eine entschiedene Absage erteilt hätten. Sie hätten einst versprochen, jedes Beginnen mit allen Kräften zu unterstützen, das auf die Schaffung eines geeinten Europas gerichtet sei, in dem die Völker ohne Furcht und Zwang leben könnten. Wörtlich habe es in der Charta der Vertriebenen geheißen: "Wir werden durch harte, unermüdliche Arbeit teilnehmen am Wiederaufbau Deutschlands und Europas." Dieses Versprechen hätten sie gehalten. Das gehöre zu den großen Leistungen der Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg, auf die sie mit Recht stolz sein könnten.

Dank ihrer Versöhnungsbereitschaft, dank der vielen Kontakte, die sie zu Ihrer alten Heimat geknüpft und über die Jahre aufrecht erhalten hätten, lebten wir heute in einem vereinten Deutschland und in einem zusammenwachsenden Europa. Das alles sei auch das Verdienst der Vertriebenen und der Vertriebenenverbände, machte Tiemann deutlich.

Der enorme Beitrag der Vertriebenen für unser Land werde erst vor dem dunklen Hintergrund des Geschehenen und Erlittenen voll erfassbar. Die Vertriebenenverbände hätten beharrlich dafür gekämpft, dass das erlittene Unrecht ebenso wie die späteren Leistungen der Vertriebenen respektiert und anerkannt würden.

Bis zu 2 Millionen von ihnen, vor allem Alte, Frauen und Kinder, überlebten den Marsch nach Westen nicht. Sie erfroren, sie ertranken, sie verhungerten, sie starben an Seuchen. Tausende wurden ermordet, zahllose Frauen vergewaltigt. Massenhaft begingen die Menschen Selbstmord, weil sie nicht fertig wurden mit den Bildern, die sie gesehen hatten, mit den Verlusten, die ihnen zugefügt wurden, mit dem Leid, das ihnen angetan worden war. Viele würden sich mit den Schrecken dieser Zeit bis heute quälen und vielen Überlebenden seien die Schrecken jener Zeit noch immer gegenwärtig, als wäre alles erst gestern geschehen. Fast 15 Millionen hätten ihre Heimat verloren und die Lebensgrundlage, die sie sich dort aufgebaut hatten. Ihr Schicksal sei von unermesslichem Leid begleitet, so der Kreispräsident.

Tag der Heimat 2010All das gehöre zur Gesamtheit der Erfahrungen, die die Deutschen im 20. Jahrhundert gemacht hätten, sie seien Teil unserer heutigen Identität. Es sei in den letzten Jahrzehnten oft nicht einfach gewesen, sich mit dem Schicksal von Flucht und Vertreibung zu beschäftigen. So hätte es Vorurteile gegeben und alte Wunden, die noch nicht verheilt seien, vielleicht nie ganz heilen könnten.

Die Gründung der "Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung" sei Ausdruck einer zwar langsamen, oft mühsamen, aber im Ganzen doch gelingenden Annäherung. Sie schaffe die Grundlage, um der Flucht und Vertreibung an einer zentralen Stätte zu gedenken. Damit werde ein lang gehegter Wunsch vieler Vertriebener Wirklichkeit. Die Ausstellungs- und Dokumentationsstelle werde einen bleibenden, würdigen Erinnerungsort für Flucht, Vertreibung und Versöhnung schaffen. Er werde die junge Generation über das Jahrhundert der Vertreibungen informieren können und er werde dazu beitragen, das Bewusstsein für die Erlebnisse der Betroffenen lebendig zu halten.

"Vielleicht können wir dazu beitragen, Vertreibungen in Gegenwart und Zukunft dauerhaft und weltweit zu ächten. Es ist Aufgabe der gesamten Völkergemeinschaft, dieser Erkenntnis überall auf der Welt zum Durchbruch zu verhelfen - beharrlich, aber mit dem Ziel, am Ende doch eine bessere Welt zu schaffen", rief Tiemann den Delegierten zum Schluss seiner Rede zu.