Kulturpreis 2005


Kulturpreis 2005

Kulturpreis 2005Kulturpreis 2005 geht an Roswitha Quadflieg und Ingo Warnke

Klaus G. Bremer -als Vorsitzender der Kulturpreisjury- und Marlene Köhler -als Vorsitzende des Ausschusses für Schule, Kultur und Sport- haben die diesjährigen Kulturpreisträger im Rahmen eines Pressegespräches der Öffentlichkeit vorgestellt.

Erfreulicherweise ist es gelungen, auch in diesem Jahr neben dem Anerkennungspreis einen Förderpreis für den künstlerischen Nachwuchs zu verleihen.

Die feierliche Kulturpreisverleihung fand am 06. November 2005 in der Drostei statt.


Roswitha QuadfliegDer Anerkennungspreis, der mit 5.000 € dotiert ist, geht an die in Schenefeld lebende Schriftstellerin Roswitha Quadflieg.

Roswitha Quadflieg, international als Graphikerin und Verlegerin exquisiter Bücher bekannt, hatte von 1973-2003 eine eigene Verlagswerkstatt, die Raamin-Presse. Hier gestaltete, setzte und druckte sie auf einer Handpresse Texte der Weltliteratur mit eigenen Originalgraphiken (wie Holzstiche, Radierungen, Mischtechniken in Kunstharz u. a.) in limitierten Auflagen. Als letzter Band erschien 2003 das bis dahin unveröffentlichte Hamburg-Kapitel aus Samuel Becketts »German Diaries« von 1936, mit Originalgraphiken und Marginalien von Roswitha Quadflieg.

Seit 1985 entstanden neben der Verlagsarbeit außerdem eigene literarische Texte, wie die Romane "Der Tod meines Bruders" (1985), "Fabels Veränderung" (1987), "Die Braut im Park" (1991), "Bis dann" (1994), der unter dem Titel »Eine Herzensangelegenheit« mit Martin Benrath in der Hauptrolle im Auftrag des ZDF verfilmt wurde (Erstausstrahlung 1998) und "Alles Gute" (1999). Im Jahr 2003 gab Roswitha Quadflieg ihren Verlag, die Raamin-Presse, auf, um fortan ausschließlich als Schriftstellerin zu arbeiten. Den Anstoß dafür gab das vor ein paar Monaten in der von Hans Magnus Enzensberger herausgegebenen Reihe "Die andere Bibliothek" des Eichborn Verlages erschienende Buch "Requiem für Jakob - Eine Spurensuche".

Als Roswitha Quadflieg von einer Bekannten den Nachlass eines alten Mannes, der 1997 mit fast 91 Jahren im Hamburger Stadtteil Altona verstarb, erhielt - Fotos, amtliche Dokumente, Aufzeichnungen, Briefkopien usw. - ahnte sie noch nicht, worauf sie sich dabei einließ.

"Wollen Sie ihn haben?" fragte die Bekannte, die sich zuletzt um den alten Mann gekümmert hatte und nicht so recht wusste, was sie mit dem Nachlass anfangen sollte. Roswitha Quadflieg nahm die Herausforderung an und heftete sich an die Spur des deutsch-französischen Juden, den sie in ihrem Buch Jakob Birnbaum nennt.

Roswitha Quadflieg kämpfte dabei mit der Bürokratie von sechs Ländern, in denen sie zum Teil auch reiste, schrieb zahllose Briefe, befragte über zweihundert Zeugen und arbeitete sich durch mehr als zweitausend Seiten Gerichtsakten, nur um das Schicksal eines Mannes zu erforschen, den sie nicht kannte und dem sie wahrscheinlich dabei näher gekommen ist, als eine seiner drei Ehefrauen. Denn die Papiere offenbarten ein völlig unerwartetes Bild dieses imposanten halb-jüdischen Herrn, der nicht nur eine kriminelle Vergangenheit hatte - er verbrachte allein 33 Jahre im Gefängnis - ein Dieb, ein Hochstapler aber auch ein Charmeur und Frauenheld war. Der erfolgreiche Geschäftsmann, der alle in seiner Umgebung bezauberte, lebte zuletzt von der Sozialhilfe, die er mit Gelegenheitsjobs, die er über eine Modellagentur erhielt, aufbesserte.

"Sich mit der selbst gewählten gedruckten Schrift und dem aus dem Wort heraus entstehenden Bild das eigene, unverwechselbare Buch zu machen, das es sonst nicht noch einmal gibt - ist das Werk von Roswitha Quadflieg", so beschreibt Gerhard Wolf die Buchverlegerin in seiner Eröffnungsrede zur Ausstellung »Bücher und Bilder. Roswitha Quadflieg und die Raamin-Presse« (am 24. Mai 2002 in der Galerie Forum Amalienpark, Berlin). In ihrem Buch "Requiem für Jakob - Eine Spurensuche" geht Roswitha Quadflieg den anderen Weg, Bilder formt sie zurück in die Sprache, um dem Leser ein umfassendes aber nicht vollständiges Abbild eines Menschen zu geben, der in seiner Widersprüchlichkeit kaum zu erfassen ist. Roswitha Quadflieg hat dabei ein Buch geschaffen, das mit seiner minutiösen Recherche einem Krimi der Extraklasse gleichkommt, aber auch einen einfühlsamen Roman, biographisch angehaucht, in dem die Autorin selbst vorkommt.

Roswitha Quadflieg - 1949 in Zürich geboren - Tochter des legendären Schauspielers Will Quadflieg, wuchs in Hamburg auf und studierte dort zunächst von 1969-1973 Malerei, Graphik und Typographie an der damaligen Fachhochschule für Gestaltung (mit Abschluss als Diplom Designerin) und danach an der Hochschule für bildende Künste. 1973 gründete sie die Raamin-Presse, die sie bis 2003 betrieb. Mit ihren graphischen Arbeiten war sie auf vielen Ausstellungen im In- und Ausland vertreten.

Roswitha Quadflieg, die sich für ihr bildnerisches Werk mit vielen Preisen schmücken kann, zuletzt 1998 mit dem Verlagspreis der Stadt Hamburg, erhält mit dem Anerkennungspreis des Kreises Pinneberg zum ersten Mal eine Auszeichnung für ihre literarische Arbeit.

Weitere Informationen erhalten Sie unter: www.roswithaquadflieg.de.


Ingo WarnkeDer Förderpreis des Kreises Pinneberg, der mit 2.500 € dotiert ist, geht an den in Kirchbarkau lebenden Bildhauer Ingo Warnke.

Der Bildhauer Ingo Warnke, 1966 in Hamburg geboren, ist in Quickborn aufgewachsen und machte hier 1985 sein Abitur. Nach dem Studium der freien Kunst an der Muthesius Hochschule Kiel in der Bildhauerklasse von Jan Koblasa arbeitete Ingo Warnke 8 Jahre in seinem Atelier in Klein Barkau. 2004 gründete er gemeinsam mit dem Kollegen Ulf Reisener die Bildhauerwerkstatt "Heiliger Schein" in Kührsdorf bei Preetz. Ingo Warnke lebt mit seiner Frau, der Musikerin Dagmar Olshausen und 4 Töchtern in Kirchbarkau im Kreis Plön.

Schon in der ersten Einzelausstellung 1994 im Kunstkreis Preetz wird das Eigentliche am Werk des Künstlers deutlich: Die Beschäftigung mit dem Spannungsfeld zwischen dem Konkreten und der Abstraktion, das Forschen nach dem Unsichtbaren, der anderen Seite der Wirklichkeit, das den Arbeiten anhaftet.

Die Materialien in Ingo Warnkes Werk sind vielfältig und spiegeln die verschiedenen Ansatzpunkte des künstlerischen Arbeitens wider: Neben den klassischen Stoffen Holz, Stein und Eisen gibt es Objekte und Installationen aus Gips, Kunststoff, Leder, Brot.

Während des Herrmann-Stehr-Stipendiums 1996/97 in Uetersen beschäftigt sich Ingo Warnke, angeregt durch die Hinterlassenschaft von Stehr, mit dem Material Kunststoff, eine der daraus resultierenden Arbeit ist der "Mondtisch", ein Leuchtobjekt, das im Rahmen verschiedener Ausstellungen sein magisches Licht aussandte (zuletzt bei der Land-Art-Ausstellung im Schleswig-Holsteinischen Bissee 2004).

Die Eingebundenheit der Kunst, d. h. der direkte Bezug auf die sichtbaren und unsichtbaren Umstände des Ortes, ist ein besonderes Merkmale von Ingo Warnkes Schaffen.

In Zusammenarbeit mit dem Kirchenmusiker Wilko Ossoba erstellte er in den letzten Jahren z. T. groß angelegte Rauminstallationen zu musikalischen Projekten, zuletzt 2004 die Installation "Urnenfelder" zu einem Konzertprojekt zu dem Totentanz von Franz Liszt.

Die Eingebundenheit der Arbeiten spiegeln auch mehrere Großskulpturen aus Stein wider, die der Künstler für den öffentlichen Raum konzipierte, z.B. "Der Wanderer im Ausland" auf dem Skulpturenweg im tschechischen Bilka (2003), das Objekt "Zacharias 5. Gesicht" im Skulpturengarten des St. Johannisklosters in Schleswig (1999) oder in nächster Umgebung, die Ausgestaltung der KZ-Gedenkstätte in Kaltenkirchen-Springhirsch.

Ingo Warnke ist Mitglied im BBK-Schleswig Holstein, in der Bildhauergruppe "Steinverein Anröchte" und der deutsch-dänischen Künstlergruppe "Kunstkorn".

Weitere Informationen erhalten Sie unter: www.ingo-warnke-bildhauer.de.