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Dr. Udo Sachse
Dr. Udo Sachse

Landrat 1962 - 1973

Dr. Udo Sachse wurde 1908 in Berlin geboren. Nach seinem Studium und juristischen Ausbildung in Berlin und Erlangen trat er 1937 in den Verwaltungsdienst ein. Als Landrat des Kreises Pinneberg prägte er von 1962 bis zu seinem Ruhestand 1973 die Entwicklung des Kreises.


In der Öffentlichkeit war Sachse lange Zeit als anerkannter und geschätzter Landrat wahrgenommen worden. Seine NSDAP-Mitgliedschaft war zwar bekannt, wurde jedoch vielfach als formale Notwendigkeit eingeordnet. Tatsächlich belegen Unterlagen aus der NSDAP-Mitgliederkartei seinen Parteieintritt zum 1. Juli 1931. Das frühe Datum gilt als Hinweis auf eine bewusste und überzeugte Unterstützung des Nationalsozialismus. Eine Mitgliedschaft war zu diesem Zeitpunkt noch mit persönlichen Risiken und sozialen Nachteilen verbunden. Im selben Jahr trat Sachse auch der Sturmabteilung (SA) bei. Seine Dissertation zum Thema „Der rassische Gedanke im Recht der öffentlichen Funktionäre“ von 1934 zeigt ebenfalls eine deutliche Nähe zur nationalsozialistischen Ideologie. Ab 1940 war Sachse als Landrat im besetzten Gebiet Danzig-Westpreußen tätig und zeitweise NSDAP-Kreisleiter. Dort wirkte er an Maßnahmen der Besatzungs- und Bevölkerungspolitik mit, etwa bei Zwangsmaßnahmen und der Einordnung der Bevölkerung nach rassistischen Kriterien. Der genaue Umfang seiner persönlichen Verantwortung sowie die Frage, ob er im strafrechtlichen Sinne schuldig wurde, bleibt offen.

1955 erfolgte die Rückkehr in den Verwaltungsdienst mit einer Anstellung im schleswig-holsteinischen Innenministerium. Dort war er mit der Wiedereingliederung von Beamten befasst, die nach 1945 aus dem Dienst ausgeschieden waren. Eine größere Zahl früherer NS-Funktionsträger – teils auch mit erheblicher politischer Belastung – konnten durch ein Gesetz von 1951 wieder in den öffentlichen Dienst zurückkehren.

Als Landrat des Kreises Pinneberg setzte sich Sachse ab 1962 besonders für Wirtschaftsförderung und Industrieansiedlung ein und engagierte sich zugleich für den Umweltschutz im Kreisgebiet und im Hamburger Umland. In seine Amtszeit fallen der Ausbau des Pinneberger Klinikums und die Gründung des Wegeunterhaltungsverbandes zur Pflege der Wirtschaftswege und Gemeindestraßen. Neben seiner Tätigkeit als Landrat war er Aufsichtsratsvorsitzender der Wirtschafts- und Aufbaugesellschaft des Kreises und langjähriger Vorsitzender des DRK-Kreisverbandes. Nach seiner Pensionierung widmete er sich der Heimatforschung und schrieb Arbeiten zur Verwaltungsgeschichte des Kreises.

Die Biografie von Dr. Udo Sachse zeigt zwei deutlich unterschiedliche Lebensphasen: Bis 1945 trat er als überzeugter Nationalsozialist und Funktionsträger im NS-Staat auf. In der Bundesrepublik engagierte er sich für die Entwicklung des Kreises Pinneberg und war anerkannter Verwaltungsleiter im demokratischen Gemeinwesen. Diese Spannung macht eine differenzierte und kritische Betrachtung seiner Person notwendig.


Lebenslauf
  • 24.09.1908
    Geboren in Berlin-Mariendorf in einem bürgerlichen Umfeld; der Vater verstarb früh
  • 1928 - 1934
    Studium der Rechts- und Staatswissenschaften in Berlin und Erlangen
  • 1934
    Ausbildung zum Gerichtsreferendar in der Berliner Justizverwaltung
  • 10/1937 - 11/1937
    Angestellter im Finanzamt Berlin-Wilmersdorf
  • 11/1937
    Assessor, später Regierungsassessor in der Landkreisverwaltung Eisleben
  • 04/1939
    Regierungsassessor im Regierungsbezirk Marienwerder (Provinz Ostpreußen, ab 10/1939 Reichsgau Danzig-Westpreußen)
  • 08/1938 - 11/1938
    Kriegsdienst (Feldwebel im Polenfeldzug)
  • 06/1940
    Kriegsdienst (Frankreichfeldzug)
  • 11/1940 - 08/1944
    Landrat im Landkreis Tuchel (Regierungsbezirk Bromberg/ Reichsgau Danzig-Westpreußen), zeitweise: NSDAP-Kreisleiter
  • ?/1944
    Kriegsdienst (Balkan)
  • Herbst 1945
    Entlassung aus britischer Kriegsgefangenschaft
  • 1945
    Tätigkeit als Bauhilfsarbeiter, später Zimmermannslehre in Helmstedt
  • 1949 - 1951
    Angestellter in der Rechtsberatung in Hamburg
  • 1951 - 1955
    Selbständiger Anwaltsassessor und Rechtsanwalt in Hamburg
  • 1955 - 1962
    Angestellter im Innenministerium des Landes Schleswig-Holstein in Kiel
  • 1962 - 1973
    Landrat im Landkreis Pinneberg
  • 1973
    Pensionierung
  • 19.11.2006
    Udo Sachse stirbt im Alter von 98 Jahren


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