Duvigneau entstammte einem rechtskonservativen Umfeld. Ab 1919 gehörte er der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP) an, einer nationalkonservativen Partei mit nationalistischen, antidemokratischen und antisemitistischen Elementen. Nach dem Militärdienst im Ersten Weltkrieg folgten berufliche Stationen unter anderem in Schneidemühl, Torgau und Soltau.
Im Herbst 1932 wurde Duvigneau zunächst kommissarisch zum Landrat des Kreises Pinneberg ernannt. Seine Wahl und Ernennung zum Landrat erfolgte im Frühjahr 1933. Er trat sein Amt in einer Zeit großer Krisen und Umbrüche an: Die weltweite Wirtschaftskrise führte zu hoher Arbeitslosigkeit und zunehmender politischen Radikalisierung. Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme änderten sich die politischen Rahmenbedingungen grundlegend.
1937 trat Duvigneu der NSDAP bei. Zu diesem Zeitpunkt waren 86% aller preußischen Beamten Mitglieder der Partei. Das vergleichsweise späte Eintrittsdatum spricht dafür, dass er sich dem System anpasste, um seine berufliche Stellung zu sichern Zugleich war seine rechtskonservative und deutschnationale Prägung in vielen Punkten mit der nationalsozialistischen Politik vereinbar. Im Herbst 1939 wurde Duvigneau als stellvertretender Landrat in die Zivilverwaltung im besetzten Polen abgeordnet. Bereits nach sechs Wochen kehrte er nach Pinneberg zurück und blieb bis zu seinem tödlichen Unfall im Januar 1945 im Amt. Diese Kontinuität ist eine Ausnahme, die es in Schleswig-Holstein nur noch im Kreis Segeberg mit Landrat Dr. Waldemar von Mohl gab. Duvigneau war ein erfahrener und fachkundiger Verwaltungsbeamter, dessen Kenntnisse und Verwaltungspraxis ihn für das Amt schwer ersetzbar machten.
In seiner Funktion als Landrat setzte Duvigneau die staatlichen Vorgaben nach Aktenlage reibungslos und aufgabengetreu um. Er wirkte an zentralen Maßnahmen des NS-Regimes mit, etwa bei der Organisation von Zwangsarbeit sowie der Verfolgung politischer Gegner und Jüdinnen und Juden. In einzelnen Fällen hatte sein Handeln direkte Folgen bis hin zu Verhaftung, Deportation und Tod. Offener Widerstand ist nicht belegt. Vereinzelt nutzte er Spielräume zugunsten Betroffener, etwa 1933 im Fall der Entlassung des sozialdemokratischen Bürodirektors August Schweiger. Gleichzeitig sind Fälle dokumentiert, in denen Duvigneaus Handeln die Situation für Verfolgte verschärfte.
Duvigneaus Amtsführung steht beispielhaft für die Rolle der traditionellen Verwaltungseliten, die dem Nationalsozialismus zwar distanziert gegenüberstanden, aber durch Anpassung und Pflichterfüllung die nationalsozialistische Herrschaft stützten. Im Vergleich zu anderen Landräten in Schleswig-Holstein vollzog er die geforderten Anpassungen eher vorsichtig und mit Zurückhaltung. Sein Handeln verdeutlicht die Spielräume und Grenzen von Verwaltungseliten in der Zeit des Nationalsozialismus. Seine Biografie erfordert eine differenzierte Betrachtung im historischen Kontext.
Literatur:
Sebastian Lehmann-Himmel/ Sebastian Lotto-Kusche: Zur Rolle des ehemaligen Landrates in Pinneberg Johann Justus Duvigneau im Nationalsozialismus, 2025.
Frank Will: Rechts - zwo - drei. Nationalsozialismus im Kreis Pinneberg. Pinneberg 1993, v.a. S. 62, 154–157.