Best Agers - Ergebnisse und Nutzen

 


Best Agers - Ergebnisse und Nutzen

Ergebnisse

Ein zentrales Ergebnis der Regionalanalyse ist die wachsende Zahl sowie eine ansteigende Erwerbsbeteiligung älterer Beschäftigter (55-64 Jahre) in allen Kreisen und kreisfreien Städten in Norddeutschland. Im Kreis Pinneberg waren im Jahr 2009 mehr als 10.000 dieser so genannten „Best Agers“ in sozialversicherungspflichtigen Jobs beschäftigt, ein Anstieg von 26 % gegenüber dem Jahr 1993. Nur die kreisfreien Städte Kiel und Lübeck sowie die Hansestadt Hamburg weisen höhere Zahlen auf.

Gleichzeitig steigt der Anteil dieser Gruppe an den Gesamtbeschäftigten seit 1995 übergreifend um bis zu 4 % - durchschnittlich sind somit etwa 13 - 14 % aller Arbeitnehmer auf Kreisebene in der Altergruppe der „Best Agers“ zu finden. Zudem ist Pinneberg der Kreis mit der zweithöchsten Erwerbsbeteiligung Älterer:
40 % aller 55-64jährigen gehen hier einer sozialversicherungspflichtigen Tätigkeit nach, ein starker Anstieg von knapp 7 % gegenüber 1995 und nur ungleich weniger als im Kreis Segeberg, der in dieser Hinsicht mit 40,8 % Spitzenreiter ist. Gleichzeitig ist die Arbeitslosenquote der „Best Agers“ in Pinneberg mit 5,9 % im Jahr 2010 im Vergleich zu anderen Regionen verhältnismäßig gering, trotz steigender Tendenz in den vergangenen Jahren. Und schließlich zählt Pinneberg zu den 5 Regionen mit dem höchsten Erwerbsaustrittsalter im Untersuchungsgebiet: die Beschäftigten gehen durchschnittlich mit 61,1 Jahren in den Ruhestand, also fast 2 Jahre später als beispielsweise in den kreisfreien Städten Schleswig-Holsteins.

Diese Zahlen belegen eindrucksvoll, dass die Beschäftigungssituation Älterer eine immense Bedeutung für den regionalen Arbeitsmarkt und die Wirtschaftsentwicklung unserer Region birgt. Die Entwicklung hin zu höherer Erwerbsbeteiligung älterer Menschen und längerer Lebensarbeitszeit erfordert jedoch einen strategisch koordinierten und begleiteten Ansatz, um attraktive Arbeitsbedingungen in den Unternehmen zu schaffen und veränderten Ansprüchen einer alternden Beschäftigtenstruktur gerecht zu werden. Nur so können qualifizierte Fachkräfte und deren Wissensbasis erhalten und genutzt und in der Folge die Wettbewerbsfähigkeit der lokalen und regionalen Wirtschaft gestärkt werden.

Dass die bisherigen Voraussetzungen in den kreisweiten Unternehmen größtenteils nicht erfüllt sind, zeigen die branchenübergreifenden Betriebsbefragungen (ausführlicher Bericht in englischer Sprache) des Kreises und der WEP Wirtschaftsförderung. Zwar erkennen die mehr als 150 befragten Unternehmer eine zunehmende Relevanz demographischer Entwicklungen für alle Firmenbereiche: insbesondere Fachkräfteversorgung, Personalplanung sowie die Alterung der Beschäftigtenstruktur werden hier genannt. Ebenso bestätigen Sie übergreifend die Notwendigkeit von Maßnahmen, um älteren Beschäftigten gute Voraussetzungen zu bieten bzw. diese länger im Betrieb zu halten, allen voran individuelle Arbeitszeiten und -inhalte. Und schließlich erfahren die beruflichen aber auch sozialen Kompetenzen der „Best Agers“ eine breite Wertschätzung seitens der Unternehmer.

Zugleich existieren jedoch kaum praktische Angebote speziell für Ältere, und Maßnahmen wie Weiterbildung, Mentoringkonzepte und betriebliche Gesundheitsvorsorge scheinen in den kreisweiten Firmen nur in seltenen Fällen eine Rolle zu spielen - und das, obwohl gesundheitliche Gründe aus Unternehmersicht der mit Abstand häufigste Hintergrund für vorzeitigen Erwerbsaustritt darstellt. Dies geht einher mit einer sehr niedrigen Quote bei externer Beratung zu demographischen Herausforderungen: nur 7 % der Unternehmen waren in dieser Hinsicht aktiv. Besondere Problematik birgt schließlich die hohe Zahl kleiner und mittlerer Unternehmen in der Befragung: diese sind vergleichsweise häufig von Alterungsprozessen und Nachwuchsproblematik gekennzeichnet, verfügen jedoch oftmals über zu geringe finanzielle und personelle Kapazitäten, um sich der Aufgabe alternsgerechter Unternehmenspolitik adäquat anzunehmen.


Nutzen für den Kreis Pinneberg

Wie die Ergebnisse aus den Teilprojekten verdeutlichen, eröffnet die Teilnahme am "Best Agers"-Projekt dem Kreis Pinneberg wichtige Informationen für die zukünftige Ausgestaltung der regionalen wirtschaftlichen Entwicklung. Aus dieser einschlägigen Wissensbasis und dem intensiven Austausch mit strukturell ähnlich betroffenen europäischen Partnern erwachsen daher eine Vielzahl von Chancen. In einem nächsten Schritt sind daher die Akteure vor Ort - unter ihnen die Wirtschaftsförderung, Unternehmen, Kommunen, Arbeitsagenturen und Planer - gefordert, die skizzierten Erkenntnisse in ihre jeweiligen Strategien zu integrieren und diesen Wissensvorsprung in die Praxis umzusetzen. Der Kreis steht dabei als kompetenter Ansprechpartner jederzeit gerne zur Verfügung.