Behördliche Maßnahmen bei einem kerntechnischen Unfall

 


Behördliche Maßnahmen

Alarmierung der zuständigen Behörden und Einrichtung einer handlungsfähigen Katastropheneinsatzleitung

Sämtliche in die Gefahrenabwehr einbezogenen Behörden werden über die Auslösung einer Alarmstufe (Voralarm und Katastrophenalarm) unverzüglich informiert. Dies sind insbesondere das Innenministerium des Landes Schleswig-Holstein als oberste Katastrophenschutzbehörde, das Ministerium für Justiz, Gleichstellung und Integration des Landes Schleswig-Holstein als Atomaufsichtsbehörde, die Städte und Ämter im Kreis Pinneberg sowie die Nachbarkreise des Kreises Pinneberg.

 

Sofern der Führungsstab bei Auslösung einer Alarmstufe noch nicht zusammengetreten ist, werden die Mitglieder umgehend einberufen. Dem Führungsstab gehören auch sachkundige Fachberater, z. B. Physiker, Ärzte und Ansprechpersonen des Kraftwerksbetreibers an. Zusätzlich werden die Helfer des Katastrophenschutzdienstes und der Hilfsdienste alarmiert.

Unterrichtung/ Warnung der Bevölkerung/ Sirenensignal/ Bürgertelefon

Die Bevölkerung wird über den Eintritt eines kerntechnischen Unfalls und seine möglichen Folgen für die Umgebung unverzüglich unterrichtet.

 
Eine schnelle, umfassende und eindeutige Unterrichtung über die jeweilige Situation und die vorgesehenen Schutzmaßnahmen trägt dazu bei, Fehlreaktionen zu verhindern und die Durchführung von Schutzmaßnahmen sicherzustellen.

 

Die Warnung der betroffenen Bevölkerung erfolgt durch Sirenensignale oder andere geeignete Mittel, z. B. durch Lautsprecherwagen. Als Sirenensignal für die Warnung der Bevölkerung wird ein einminütiger Heulton verwendet.

 

Die Unterrichtung der Bevölkerung wird zeitlich nachfolgend mit amtlichen Durchsagen über Rundfunk, Fernsehen oder Videotext und/oder Lautsprecherfahrzeuge vorgenommen.

 

Bei Bedarf wird beim Kreis Pinneberg unter der Telefonnummer 04121/ 5000 ein Bürgertelefon eingerichtet (nur im Katastrophenfall erreichbar).

Vorbereitung/ Ausführung von Messungen

Bei einem kerntechnischen Unfall ist es erforderlich, neben den vorhandenen automatischen Messsystemen auch mobile Mess- und Strahlenspürtrupps einzusetzen, um einen umfassenden Überblick über die radiologische Lage zu erhalten. Messungen und Probennahmen werden von Kräften des Kraftwerkbetreibers, einer unabhängigen Messstelle und des Löschzuges Gefahrgutes vorgenommen.

 

Die Mess- und Probenameergebnisse werden über lokale Messzentralen an die gemeinsame Messzentrale übermittelt. Dort können die Daten zentral erfasst, qualitätsgesichert verarbeitet und bewertet werden. Die zentrale Messzentrale ist somit in der Lage, sämtlichen in der Katastrophenabwehr tätigen Behörden und Organisationen ein umfassendes und einheitliches radiologisches Lagebild mit entsprechenden Maßnahmenempfehlungen zur Verfügung zu stellen.

Festlegung des gefährdeten Gebietes in Form von Zonen und Sektoren

Die Umgebung der kerntechnischen Anlage ist in Zonen und Sektoren eingeteilt. Diese Einteilung dient der Abgrenzung der vorbereitenden und durchzuführenden Katastrophenschutzmaßnahmen. Zugleich dient sie der Vorbereitung und Durchführung von Messungen und Probenahmen im gefährdeten und im übrigen Gebiet der Mittelzone.

 

Gefährdetes Gebiet ist die Zentralzone (Z-Zone) und das hauptbeaufschlagte Gebiet der Mittelzone (M-Zone). Übriges Gebiet ist die Außenzone (A-Zone) und das Gebiet der Mittelzone (M-Zone) außerhalb des gefährdeten Gebietes.

 

Bei schnell ablaufenden Ereignissen werden die Z-Zone und angeschnittene Ortschaften in Ausbreitungsrichtung als gefährdetes Gebiet festgelegt. Ausgehend vom Kamin der kerntechnischen Anlage gilt für die Einteilung in Zonen:

  • Zentralzone (Z-Zone) = 2-km-Radius
  • Mittelzone (M-Zone) = 10-km-Radius
  • Außenzone (A-Zone) = 25-km-Radius


Im Zusammenhang bebaute Ortsteile sind insgesamt der engeren Zone zuzuordnen.

Verkehrslenkung/ Verkehrsregelung

Bei Katastrophenalarm wird der gesamte in das gefährdete Gebiet fließende Straßenverkehr umgeleitet, um eine mögliche Gefährdung von Personen durch das Betreten oder Befahren des gefährdeten Gebietes zu verhindern.

 

Das gefährdete Gebiet verlassende Personen werden aufgefordert, sofern Kontaminationen oder Strahlenexpositionen zu vermuten sind, sich zu den eingerichteten Notfallstationen zu begeben.

 

Die für den übrigen Verkehr (Schienenverkehr, Schifffahrt, Luftverkehr) zu treffenden Maßnahmen werden von den dafür zuständigen Stellen nach Unterrichtung durch die Katastrophenschutzleitung aufgrund eigener Planungen veranlasst.

Verteilung von Jodtabletten

Jodtabletten sollen im Fall des Austritts von Radioaktivität die Anreicherung des radioaktiven Jods in der Schilddrüse verhindern und damit die Gesundheitsschäden vermeiden.

 

Radioaktives Jod hat die gleichen chemischen und biologischen Eigenschaften wie das in der Nahrung vorkommende natürliche Jod und wird deshalb wie normales, nicht radioaktives Jod in der Schilddrüse gespeichert. Deshalb sollen Jodtabletten nach einem kerntechnischen Unfall, bevor eine radioaktive Wolke in einer bestimmten Größenordnung austritt oder kurz danach, von den Betroffenen eingenommen werden (Jodblockade der Schilddrüse). Der richtige Zeitpunkt für die Einnahme der Jodtabletten und das betroffene Gebiet werden durch die Katastrophenschutzbehörde bekannt gegeben.

 

Personen über 45 Jahre sollen keine Jodtabletten einnehmen. Dafür gibt es zwei Gründe:

  • Deutschland zählt zu den Jodmangelgebieten, wodurch mit zunehmendem Alter häufiger Stoffwechselstörungen in der Schilddrüse auftreten. Eine solche so genannte „funktionelle Autonomie“ erhöht das Risiko der Nebenwirkungen einer Jodblockade.
  • Mit steigendem Lebensalter nimmt das Risiko einer bösartigen Schilddrüsengeschwulst, die durch die Strahlung verursacht wird, stark ab.
     

Jodtabletten schützen nicht gegen die Strahlung, die von außerhalb den Körper trifft, und auch nicht gegen andere radioaktive Stoffe, die vom Körper aufgenommen wurden.

 

Im Bedarfsfall werden Jodtablettenausgabestellen eingerichtet. Die Ausgabestellen für Jodtabletten befinden sich in der Regel in den Wahllokalen. Bitte beachten Sie, dass lagebedingt andere Ausgabestellen eingerichtet werden können. Bitte beachten Sie deshalb im Katastrophenfall die Radiodurchsagen. Es sind Tabletten in ausreichender Anzahl vorhanden und eingelagert, um sämtliche Haushalte im Kreis Pinneberg zu versorgen.

Weitere Informationen zur Jodblockade erhalten Sie auf der Homepage des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit: http://www.jodblockade.de/.