Drei Orte: A. Paul Weber - Gerüchte, Abgründe, Paragraphenschlüpfer


Drei Orte: A. Paul Weber - Gerüchte, Abgründe, Paragraphenschlüpfer

Mit jeweils unterschiedlichen thematischen Schwerpunkten zeigen die Drostei in Pinneberg, das Torhaus in Elmshorn sowie die Galerie Atelier III auf der Schlossinsel in Barmstedt Arbeiten des Grafikers A. Paul Weber (1893-1980): Satire, Gesellschaftskritik, Illustration, Malerei sowie gebrauchsgrafische Arbeiten. Ermöglicht wurde das Leuchtturmprojekt durch die Kulturförderung des Kreises Pinneberg.

Die Arbeiten Webers tragen Titel wie z.B. „Das Gerücht“, „Der Geldsack“, „Der Denunziant“, aber auch „Das Hamsterpärchen“ oder „Kater Murr“. A. Paul Weber, dem in Ratzeburg ein eigenes Museum gewidmet ist, war ein Meister der zeitlos gültigen Gesellschaftskritik, mal mit kleinen, liebevoll-satirischen Nadelstichen, mal mit ungeschönten, wuchtigen Hammerschlägen. Neben Grafik und Handzeichnung war seine bevorzugte Technik die Lithografie. In kleinsten und feinsten Linien, mit Liebe zum Detail und dem Blick für den großen Zusammenhang entlarvt A. Paul Weber Missstände in Politik, Gesellschaft, Kirche und Justiz und macht auch vor den kleinen Ärgernissen des Alltags und menschlichen Schwächen nicht halt.

Drei Orte: A. Paul WeberAm Sonnabend, 8. Dezember 2012, fand die Eröffnung in der Drostei statt, bei der Kuratorin Stefanie Fricke begrüßte. Dabei verwahrte sie sich gegen den Vorwurf einer unkritischen Auseinandersetzung, da es im Vorfeld anonyme Kritik an der politischen Ausrichtung Webers gegeben hatte. Sie erklärte Webers Widerstandsgedanken während der Ausstellungseröffnung und gab allen Besucherinnen und Besuchern Fakten an die Hand. Allerdings dürfe es nicht ihre Aufgabe sein, diese zu bewerten, so Fricke. Es sei kaum möglich, sich mit Webers Werk zu befassen, ohne auch die Auftragsarbeiten aus den 30er-Jahren zu betrachten. Jedoch sei Weber als Künstler unumstritten. Sie warnte davor, das mehr als 70 Jahre währende Schaffen Webers auf einen Zeitraum von 20 Jahren zu reduzieren.

Burkhard E. Tiemann, Kreispräsident und Kulturstiftungsvorstand stellte sich in seiner Begrüßung voll hinter die Kuratorin Stefanie Fricke und sagte: „Wir präsentieren das künstlerische Werk Webers ohne politische Bewertung - aber auch, ohne zu verschweigen, dass die Biographie dieses großen Künstlers auch widersprüchlich ist und seine Vita auch Brüche aufweist.“ Zwar sei es gut, wenn möglichst viele Menschen sich neben der Bewertung des künstlerischen Werks Webers auch mit seiner Biografie auseinandersetzten. Die politische Bewertung müsse in einer Demokratie aber grundsätzlich dem Einzelnen überlassen werden. Weber entwarf u.a. auch das Wappen des Kreises Pinneberg, dessen Reinzeichnung in der Drostei zu sehen ist. Auch hierüber berichtete der Kreispräsident ausführlich.

Sehr einfühlsam führte Jutta Kürtz, Journalistin und Präsidentin des Schleswig-Holsteinischen Heimatbundes, in Webers Werk ein. Kürtz, die Weber persönlich gut kannte, schilderte seinen künstlerischen Werdegang. Sie berichtete aber auch in beeindruckend einfühlsamer und anschaulicher Weise über sein Familienleben und den Menschen A. Paul Weber.

Die Pianistin Marija Livaschnikova verlieh der Vernissage mit eigenen Kompositionen musikalischen Glanz.


© Foto: Thorsten Berndt