Fernwärme: Vor- und Nachteile für Verbraucher

Energieberatung der Verbraucherzentrale klärt die Fakten

Fernwärme soll preisgünstig, unkompliziert und umweltschonend sein - sagt die Werbung der Energieversorger. Die Wirklichkeit sieht anders aus: Steigende Preise und Anbieter-Monopole machen Fernwärme teuer für Verbraucher. Margrit Hintz, Energieexpertin der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein, beantwortet die wichtigsten Fragen.

Bei der Verbraucherzentrale häufen sich die Beschwerden verärgerter Fernwärme-Kunden. Viele klagen über schnell steigende Preise und fehlende Transparenz bei den Tarifen. Aktuelle Preisübersichten sucht man auf den Internetseiten der Fernwärme-Anbieter meist vergeblich. Für die Verbraucher hat Fernwärme damit im Vergleich zu anderen Energieträgern große Nachteile.

Neubau: günstiger Anschluss, aber hohe Energiepreise

Bauherren, die über einen Fernwärme-Anschluss nachdenken, sollten vorher einen sorgfältigen Kostenvergleich aufstellen. Häufig bieten Energieversorger eine höhere Anschlussleistung für Fernwärme an, als für das neue Haus benötigt wird. Wer beispielsweise ein Energiesparhaus baut, zahlt dann für unnötige Leistungen.

„Für einen fairen Preisvergleich müssen immer die gesamten Kosten in den Blick genommen werden. Für Fernwärme sind weder ein Schornstein noch ein Lagerraum nötig. Dies verringert die Baukosten. Auch die Installations- und Wartungskosten sind bei Fernwärme niedriger als etwa bei einem Gasbrennwertgerät. Die Energie kostet jedoch in der Regel deutlich mehr“, erläutert Margrit Hintz.

Keine Wechselmöglichkeit für Kunden

Die Fernwärmepreise weichen regional sehr stark voneinander ab. In Schleswig-Holstein gibt es Unterschiede von mehr als 100 Prozent. Ein klarer Nachteil für Fernwärme-Kunden ist der fehlende Wettbewerb der Anbieter: Jedes Fernwärmenetz ist ein Monopol, eine Wechselmöglichkeit zu einem andern Versorger besteht nicht. Es gibt aber noch mehr zu beachten, erläutert Margrit Hintz: „Die spätere Umrüstung auf einen anderen Energieträger ist sowohl technisch als auch baurechtlich aufwendig oder gar unmöglich.“

Altbau: Vor dem Anschluss den Energieverbrauch senken

Auch Besitzer eines Altbaus sollten einen Wechsel zu Fernwärme sorgfältig abwägen. Nach dem Auszug der Kinder oder mit Modernisierungsmaßnahmen am Haus sinkt der Energieverbrauch. Doch nach dem Abschluss eines Fernwärme-Vertrags hat der Kunde kein Recht auf eine Senkung der Anschlussleistung. Er ist vom guten Willen des Anbieters abhängig. Wer also auf Fernwärme umsteigen will, sollte den Energieverbrauch vor dem Vertragsabschluss verringern - zum Beispiel mit einer energetischen Sanierung.

Fernwärmekunden: Heiz-Check hilft Sparmöglichkeiten zu entdecken

Auf jeden Fall profitieren Hausbesitzer, wenn sie vor dem Anschluss an Fernwärme einen hydraulischen Abgleich der Heizung machen lassen. Dabei stellt der Heizungsfachmann das Heizsystem so ein, dass alle Räume gleichmäßig erwärmt werden und der Energieverbrauch sinkt.

Viele Heizungsanlagen im Bestand - auch auf Basis von Fernwärme - arbeiten ineffizient und verursachen bereits dadurch unnötig hohe Heizkosten.

Hier helfen die Heiz-Checks der Verbraucherzentrale weiter:

Ein unabhängiger Energieberater nimmt das System vor Ort unter die Lupe: Sind die einzelnen Komponenten sinnvoll gewählt und richtig dimensioniert? Arbeiten sie reibungslos zusammen? Passt das System zu den Menschen, die es nutzen? Der Auftraggeber erhält auf dieser Basis Empfehlungen, wie die Effizienz des bestehenden Heizsystems verbessert werden kann. Der Heiz-Check kostet 40 Euro, für einkommensschwache Haushalte mit entsprechendem Nachweis ist er kostenlos. Er ist ein Angebot für alle privaten Verbraucher, die zum Beispiel einen Gas- oder Ölheizkessel, eine Fernwärmestation oder eine Wärmepumpe zuhause haben.

Verbraucherzentrale_EnergieberatungBei allen Fragen zum Heizen in privaten Haushalten hilft die Energieberatung der Verbraucherzentrale auf www.verbraucherzentrale-energieberatung.de oder unter 0431 - 59099-40, sowie 0800 - 809 802 400 (kostenfrei).

 


Alle Beratungsangebote werden durch das Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) gefördert und sind deshalb besonders kostengünstig. Das persönliche Beratungsgespräch orientiert sich an den individuellen Anliegen der Verbraucher und erfolgt ohne Rücksichtnahme auf kommerzielle Interessen. Für einkommensschwache Haushalte sind die Energieberatungs-Angebote der Verbraucherzentralen sogar kostenlos.

 
Pressemitteilung der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein e.V. vom 10.10.2016