Kügelchen in der Wand - Verbraucherzentrale berät zur Hausdämmung

Wenn es um die nachträgliche Wärmedämmung von Altbauten geht, werden die Energieberater der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein immer wieder nach den Unterschieden zwischen Kerndämmung, Einblasdämmung, Hohlschichtdämmung oder auch Luftschichtdämmung gefragt. Die Antwort ist einfach: Alle meinen dasselbe!

„Wir Nordlichter haben Glück!“, stellen die unabhängigen Energieberater der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein fest, „denn hier bei und uns im Norden finden wir eine spezielle Bauart unserer Häuser vor: Das zweischalige Mauerwerk.“ Es ist so aufgebaut, dass die Innenmauer die statische Funktion sowie den Wärme- und Schallschutz übernimmt; die Außenschale kann individuell gestaltet werden und ist für den Witterungsschutz zuständig. Typisch norddeutsch sind Außenschalen mit Sichtmauerwerk aus Kalksandstein oder Ziegel. „Diese Fassaden prägen unsere Region.“, betont Carina Vogel vom Referat Energie der Verbraucherzentrale. Die beiden Schalen sind mit Mauerankern verbunden und enthalten je nach Ausführung eine ca. 5 cm dicke Luftschicht mit einer für heutige Standards zu geringen Wärmedämmung von ca. 10 cm.

Luftschicht ist ein Geschenk für die nachträgliche Wärmedämmung
Für kleines Geld und geringen Aufwand kann man das Haus schnell und sauber dämmen lassen ohne dass es sein „Gesicht“ verliert. Die Luftschicht wird mit Dämmmaterial befüllt, wodurch sich der Wärmeverlust durch die Wand drastisch reduziert. „Mehr als zehn Prozent der Heizkosten lassen sich auf diese Weise einsparen“, so Vogel. „Pro Quadratmeter Wandfläche kostet die nachträgliche Kerndämmung je nach Material ab 30 Euro.“ Der Materialvielfalt sind inzwischen fast keine Grenzen gesetzt. Aber Achtung: Wärmedämmstoffe müssen entweder den europäischen Normen entsprechen oder bauaufsichtlich zugelassen sein! Auf dem Markt sind verschiedene mineralische Blähglas-Granulate, Polystyrol-Kügelchen, aufgeblähtes Lavagestein, Steinwolle, Nano- oder Aerogele sowie Dämmschäume, aber auch nachwachsende Rohstoffe wie Holzfaser, Zellulose, Hanf oder Seegras sind im Handel – und ständig schreitet die Entwicklung fort. „Hier fällt dem Verbraucher die Entscheidung für das richtige Produkt nicht leicht“, fällt den Energieberatern der Verbraucherzentale auf.

Eignet sich jede Luftschicht und wie kommt die Dämmung dort hinein?
Zuerst sollte überprüft werden, ob sich der Hohlraum für eine Kerndämmung eignet. Wird eine Förderung der KfW-Bank in Anspruch genommen, muss ein Sachverständiger die Maßnahme bewerten. Durch Bohrungen in die Mauerwerksfugen der Fassade kann er per Sonde Einblick in diese verborgene Schicht nehmen und Mörtelnasen oder Wärmebrücken erkennen. Das Dämmmaterial wird dann von außen durch kleine Öffnungen unter Druck in die Luftschicht eingeblasen und gleichzeitig verdichtet, damit Lufteinschlüsse vermieden werden. Anschließend werden die Löcher mit Mörtel wieder verschlossen. „Es ist wichtig, den Füllungsgrad des Hohlraums genau zu beobachten“, betonen die unabhängigen Energieexperten „denn die fachgerechte Ausführung lässt sich im Mauerwerk verborgen schwer nachvollziehen.“ Bitten Sie Ihren Fachbetrieb zum Abschluss der Kerndämmung um einen Thermografie-Nachweis in der nächsten Frostperiode. Firmen, die von Ihrer Arbeit überzeugt sind, werden sich auf diesen Nachweis einlassen.

Die Energieberatung der Verbraucherzentrale hilft
Termine unter: 0431-59099-40 (Verbraucherzentrale Kiel) oder kostenfrei unter 0800-809 802 400

Für die Standorte: Flensburg, Schleswig, Niebüll, Husum, Heide, Itzehoe, Pinneberg, Elmshorn, Norderstedt, Geesthacht, Mölln, Lübeck, Eutin, Bad Oldesloe, Bad Segeberg, Kaltenkirchen, Neumünster, Rendsburg und in Kiel.
Kostenbeteiligung: 7,50 bis 10 Euro (je nach Dauer des Beratungsgesprächs) Für einkommensschwache Haushalte mit entsprechendem Nachweis sind die Beratungsangebote kostenfrei.

Bei allen Fragen zum Sanieren, Bauen und Wohnen hilft die Energieberatung der Verbraucherzentrale mit einem persönlichen Beratungsgespräch. Die Berater informieren anbieterunabhängig und individuell. Mehr Informationen gibt es auf www.verbraucherzentrale-energieberatung.de oder www.vzsh.de. Die Energieberatung der Verbraucherzentrale wird gefördert vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie.


Pressemitteilung der Verbraucherzentrale SH vom 05.09.2017