Informationen über die Partnerschaft mit dem Rayon Selenogradsk
Kreiskrankenhaus
Seit vielen Jahren unterstützt der Kreis Pinneberg das Kreiskrankenhaus im Rayon Selenogradsk durch materielle Hilfen und ärztliche Fortbildung in Deutschland. Mit dieser Unterstützung konnte sich das Kreiskrankenhaus Selenogradsk zum modernsten Krankenhaus im gesamten Oblast Kaliningrad entwickeln.
Für die Reparatur des defekten Daches hat das Krankenhaus Spenden in Höhe von insgesamt 15.070 Euro erhalten. Die Summe setzt sich zusammen aus gesammelten Spenden bei diversen Firmen und den Kliniken, den Sitzungsgeldern der Kreistagsabgeordneten aus der Sitzung im Januar 2006 sowie einer Großspende von 7.500 Euro der Firma AstraZeneca in Wedel.
Lehreraustausch
Elf Lehrer von der Mittelschule des Rayons Selenogradsk haben sich 2002 eine Woche lang über das Schulsystem in Schleswig-Holstein informiert. Nach einer detaillierten Einführung in das Schulwesen durch Schulrat Alwin Heinemann besuchten die Lehrkräfte das Förderzentrum in Pinneberg, die Heidewegschule in Appen, das Lebenshilfewerk Pinneberg, die Waldorfschule und die Berufsschule in Elmshorn.
Zwei Tage hospitierten die russischen Lehrer in der Gesamtschule, der Realschule und der Hauptschule in Wedel. Die Hospitation wurde auch von den deutschen Lehrern als sehr positiv bewertet und es besteht großes Interesse an einem Gegenbesuch.
Präventionsarbeit im Kreis Pinneberg
Anlässlich des Besuches einer Reisegruppe im Kreis Pinneberg fanden in der Zeit vom 18.04.-25.04.2004 Informationsveranstaltungen zum Thema Drogen-, Alkohol- und AIDS-Prävention statt. Mitarbeiter der Kreisverwaltung haben ihre Arbeit in diesen Präventionsbereichen vorgestellt. Es wurde u.a. die Suchtberatung in der Stadt Quickborn vorgestellt und die Suchtklinik in Bokholdt-Hanredder besucht.
Die Reisegruppe wurde vom Verein Selenogradsk e.V. eingeladen und in Gastfamilien untergebracht.
Feuerwehr
Seit fast 10 Jahren bestehen enge Kontakte zwischen dem Kreisfeuerwehrverband Pinneberg und der russischen Feuerwehr. Pawel Kaschaew, ehemaliger Gastschüler im Kreis Pinneberg, engagiert sich bei der Feuerwehr. Er hat durch seine guten Sprachkenntnisse und sein besonderes Engagement maßgeblich dazu beigetragen, die Partnerschaft zwischen den Feuerwehren mit Leben zu erfüllen.
Die Übergabe von Geräten und Ausstattungen der hiesigen Feuerwehr an die russischen Kollegen trägt dazu genauso bei wie die Schulungen im Kreis Pinneberg und die freundschaftlichen Verbindungen zwischen den Feuerwehrleuten.
Antrittsbesuch von Kreispräsident Tiemann und Landrat Dr. Grimme im Rayon Selenogradsk
Kreispräsident Burkhard E. Tiemann und Landrat Dr. Wolfgang Grimme weilten in der Zeit vom 07.11.-10.11.2003 im Partnerkreis Selenogradsk (Oblast Kaliningrad). Anlass war die Fortschreibung des Partnerschaftsprotokolls zwischen den beiden Kreisen. Tiemann und Grimme, die zum ersten Mal im Rayon Selenogradsk zu Besuch waren, nutzten diese Reise, um sich vor Ort über das Leben der Menschen zu informieren.
Bereits am ersten Tag ihres Aufenthaltes trafen sich die Repräsentanten unseres Kreises mit Mitgliedern des Vereins Selenogradsk-Pinneberg, der eine enge Zusammenarbeit mit dem hiesigen Verein Selenogradsk e.V. unterhält. Die Vorsitzende des Selenogradsker Vereins, Olga Baraewa, informierte über die Aktivitäten des Vereins und über die gute Zusammenarbeit mit dem Pinneberger Verein. Der Selenogradsker Verein bietet Deutschkurse für Schüler und Erwachsene an. Das Treffen fand in der Mittelschule der Stadt Selenogradsk statt, auf dessen Gelände Jugendliche aus Deutschland und aus dem Rayon Selenogradsk 2003 gemeinsam einen Spielplatz gebaut hatten.
Besonderes Anliegen der deutschen Delegation war es, insbesondere Projekte für behinderte oder benachteiligte Kinder und Jugendliche kennen zu lernen. In der Behindertengruppe "Rutschijok" (Kleiner Fluss) stellte die Vorsitzende Vera Malzewa die bisher geleistete Arbeit mit den Kindern und deren Eltern vor und erläuterte die Ziele für die künftige Arbeit. Einen besonderen Eindruck hinterließ auch der Besuch des Kinderheims "Istok" (Quelle). In der Musik- und Kunstschule des Rayon Selenogradsk informierten sich Tiemanss und Dr. Grimme über die erfolgreiche Jugendarbeit der Lehrerinnen. Mit einem kleinen Auftritt sorgte die Musikgruppe "Pljassizi" (Tänzchen) für die Unterhaltung der Gäste.
Seit vielen Jahren unterstützt der Kreis Pinneberg das Kreiskrankenhaus des Rayon Selenogradsk durch ärztliche Fortbildung in Deutschland und in Selenogradsk durch materielle Hilfen. Wolfgang Sprenger, Verwaltungsdirektor des Klinikums Elmshorn, weilte während des Besuchs der deutschen Delegation ebenfalls in Selenogradsk, um weitere Maßnahmen für die Unterstützung des Krankenhauses zu besprechen. Der Leiter des Krankenhauses Selenogradsk, Walerii Chudalow, führte die Gäste durch sein Haus und präsentierte die vom Kreis Pinneberg überlassenen medizinischen Geräte. Mit dieser Unterstützung ist das Kreiskrankenhaus Selenogradsk nach seiner Aussage das modernste seiner Art im gesamten Oblast Kaliningrad.
Am Rande des Besuches fand auch ein Treffen in einer privatzahnärztlichen Praxis statt. Die Zahnärztin Maria Osmanowa hat mit Unterstützung von Wolfgang Sprenger die erste private Praxis in diesem Jahr eröffnet. Auch wenn nicht alle Selenogradsker sich diesen privaten Service leisten können, wird die Praxis gut angenommen. Maria Osmanowa arbeitet auch als Zahnärztin im Selenogradsker Krankenhaus.
Am 10. November 2003 fand die offizielle Unterzeichnung des Partnerschaftsprotokolls statt. Die bereits zum 7. Mal fortgeschriebene Vereinbarung über die Zusammenarbeit der beiden Kreise erfolgte seit längerer Zeit wieder in der Stadt Selenogradsk. Der Leiter der Administration, Wladimir Schegeda, hob dies in seiner Ansprache anlässlich der Unterzeichnung als besondere Ehre hervor. Kreispräsident Tiemann hob in seiner Rede, die er mit einer Begrüßung der Anwesenden auf russisch begann, die bisherigen Erfolge der Partnerschaft hervor. Die Zusammenarbeit soll in dem bisherigen Rahmen fortgesetzt und ausgebaut werden. Als neue Themen sind die Unterstützung des Rayons in Fragen der Sicherheit und Ordnung im Bereich der Feuerwehr und der Polizei in den Vertrag aufgenommen worden. Darüber hinaus soll die Unterstützung sozial schwacher und behinderter Menschen weiter intensiviert werden. In einer feierlichen Atmosphäre wurde dann das Partnerschaftsprotokoll unterzeichnet, dessen Gültigkeitsdauer erstmalig auf drei Jahre festgesetzt wurde.
Projekt "Jugendaustausch"
Viele Jugendliche aus Selenogradsk haben im Laufe der Jahre als Gastschüler für ein Jahr im Kreis Pinneberg gelebt. Die Gastschülerinnen und Gastschüler werden in dieser Zeit vom Verein Selenogradsk e.V. betreut.
Bei dem Antrittsbesuch des Kreispräsidenten und des Landrates im November 2003 in Selenogradsk fand u.a. ein Treffen mit der russischen Jugendgruppe des Vereins Selenogradsk-Pinneberg "Iskra" (Funke) und der Jugendgruppe "Djuna" (Düne) statt. Die Jugendlichen berichteten über ihre Zeit als Gastschüler im Kreis Pinneberg und über Jugendprojekte in Selenogradsk, mit denen sie die Administration des Rayons unterstützen. Auf die Frage, was der Kreis Pinneberg für die Jugendgruppen tun kann, kam die eindeutige Antwort: "Mehr Jugendliche aus Deutschland nach Selenogradsk, damit der Schüleraustausch nicht zu einer Einbahnstraße wird!" Dr. Grimme entwickelte mit den Jugendlichen vor Ort das Projekt "Jugendaustausch".
Im Ausland leben und zur Schule gehen. Das klingt für viele wie ein Abenteuerurlaub; tatsächlich ist es die Herausforderung zu einer erheblichen Anpassungsleistung. Es eröffnet die einmalige Chance, ein Land, seine Menschen und seine Kultur intensiv und persönlich kennen zu lernen und unmittelbar zur Völkerverständigung beizutragen.
Marianna Orgarkova und Irina Gulenkova, ehemalige russische Gastschülerinnen aus dem Rayon, haben ein Konzept ausgearbeitet, um bei deutschen Jugendlichen für ein Gastschuljahr in ihrer Heimat zu werben und stellten dieses eine Woche lang in verschiedenen Schulen vor. Landrat Dr. Grimme und Kreispräsident Tiemann unterstützten diese Bemühungen und nahmen an den Veranstaltungen für Lehrer und Schüler teil.
Gruppe "Rutschijok" ("Kleiner Fluss")
Vera Malzewa, Vorsitzende der Behindertengruppe "Rutschijok" ist selbst Mutter eines geistig behinderten Sohnes und hat im Kreis Pinneberg die praktische Arbeit mit behinderten Menschen erlernt. Die Arbeitsgruppe wird durch den Verein Selenogradsk-Pinneberg stark unterstützt.
Bei seinem Besuch 2005 übergab Kreispräsident Tiemann der stellvertretenden Leiterin Tatjana Nukka zur Anschaffung eines Ton-Brennofens einen Scheck über 1.931,60 Euro. Dieser Betrag ist der Erlös aus einer Fahrradversteigerung, die der Kreispräsident 2004 vor der Drostei vorgenommen hatte. Die Fahrräder stammten aus der Auflösung des Fahrradlagers bei der BQG. Das große Ziel von Rutschijok ist es, behinderten jungen Erwachsenen Betreuung und Beschäftigung zu ermöglichen.
Kinderheim "Istok" ("Quelle")
Im Dorf Cholmogorowka wurde für den Rayon Selenogradsk ein Kinderheim für Sozialwaisen geschaffen. Mit Hilfe deutscher Spendengelder hauptsächlich der Gemeinschaft Lumen Christi wurde der leerstehende Kindergarten einer Kolchose renoviert und zum Waisenhaus umgebaut.
2004 konnten die 30 bedürftigen Kinder und Jugendlichen die neuen Räume beziehen, die nach westlichen Standards im Neubau entstanden sind. Danach wurden die alten Räumlichkeiten renoviert, damit weitere 20 Kinder und Jugendliche aufgenommen werden konnten. Das Dach des Altbaus ist mit Unterstützung der Stiftung der Kreissparkasse Südholstein, des Rotary Clubs des Kreises Pinneberg und des Inner Wheel Club Schenefeld, der Evert Stiftung und des Vereins Selenogradsk e.V. in 2002 neu gedeckt worden. Die Kinder kommen aus schwierigen Familienverhältnissen und werden für längstens 3 Monate im Kinderheim aufgenommen. Während dieser Zeit wird versucht, die Kinder durch Gespräche mit den Eltern wieder in die Familien zurückzugeben. Sollte dies nicht gelingen, wird eine auf Dauer angelegte Heimunterbringung organisiert, damit die Kinder in vernünftigen Verhältnissen aufwachsen können. Viele Probleme treten durch Alkoholmissbrauch insbesondere der Mütter auf, denen es aufgrund fehlender Unterstützung der Väter nicht gelingt, das Familienleben zu organisieren.
Besuch des russischen Landrats
Vom 30. Mai bis 02. Juni 2006 machte der russische Landrat Valerij Gubarov und der Kreispräsident Sergeij Kilakov ihren Antrittsbesuch bei Kreispräsident Tiemann und Landrat Dr. Grimme. Schwerpunktthemen dieses Besuches war die Abfallwirtschaft im Rayon und die Zusammenarbeit der Kliniken des Kreises Pinneberg mit dem Kreiskrankenhaus im Rayon Selenogradsk. Die Besichtigung der GAB und der Kliniken nahmen daher den größten Teil des Besuchsprogramms in Anspruch.
Abfallwirtschaftskonzept für den Rayon Selenogradsk
Anstoß für dieses Projekt war ein Gespräch zwischen Landrat Dr. Grimme und dem russischen Landrat Valerij Gubarov. Der Geschäftsführer der Gesellschaft für Abfallwirtschaft und Abfallbehandlung mbh (GAB), Gerd Doose, hat den Deponievorschlag im Rayon Selenogradsk geprüft und bewertet und unterstützend bei der Strukturierung und Ausarbeitung eines Abfallwirtschaftskonzeptes mitgewirkt. Das Projekt läuft noch und ist noch nicht abgeschlossen.
Im Rahmen der Deutsch-Russischen Städtekonferenz am 16. und 17. Juni 2007 in Hamburg wurde das Kooperationsprojekt vorgestellt.
Delegationsbesuch des Kreispräsidenten in Selenogradsk
Die Protokollfortschreibung am 09. August 2006 nahmen die Fraktionen des Pinneberger Kreistages zum Anlass, ihre Vertreter nach Selenogradsk zu entsenden.
Die elf Teilnehmer absolvierten ein umfangreiches Besuchsprogramm. Neben dem Rundgang durch die Stadt Selenogradsk unter der Führung von Klaus Lunau, stellvertretender Vorsitzender der Kreisgemeinschaft Fischhausen e.V. standen eine Besichtigung der Stadt Kaliningrad (ehemals Königsberg) und der Kurischen Nehrung auf der Tagesordnung.
Lars Kascha, Leiter der Jugendgruppe des Pinneberger Vereins "Selenogradsk e.V.", zeigte den Abgeordneten auf der Nehrung einen von vier Spielplätzen, den russische und deutsche Jugendliche gemeinsam in diesem Sommer gebaut hatten. Die touristische Entwicklung der Region wird auf der Kurischen Nehrung besonders deutlich.
Die Delegation besuchte Wirtschaftsbetriebe des Kreises, darunter ein Wasserwerk und das Kreiskrankenhaus. Soziale Einrichtungen wie der erste integrierte Kindergarten in Russland und die Behindertengruppe Rutschijok stellten den Abgeordneten ihre Arbeit vor. Ein Besuch der Feuerwehr durfte auf dem Programm natürlich nicht fehlen.
Am Rande des Besuchsprogramms traf sich Landrat Dr. Grimme mit dem deutschen Generalkonsul in Kaliningrad Dr. Guido Hertz. Dieser stellte in Aussicht, dass ab dem ersten Quartal 2007 die Visastelle in Kaliningrad eingerichtet sein wird, so dass die Visaerteilung für die russischen Partner wesentlich vereinfacht wird. Bisher werden Visa nur in Moskau ausgestellt und müssen dort persönlich abgeholt werden. Dr. Grimme führte ebenfalls Gespräche mit deutschen Journalisten, die in Russland arbeiten, dort wohnen und die deutsch-russische Partnerschaft unterstützen können.